Teil 3 – Die Vereinnahmten – Nicht alles ist Rechts was getragen wird

Nachdem wir in unseren beiden ersten Teilen (Teil 1 – Die Einsteigermarken und Teil 2 – Die Lokalmatadoren) unserer #faktenverliebt-Serie Bekleidungsmarken vorgestellt haben, die sich bewusst an eine Szenekäuferschaft bzw. Szeneeinsteiger wenden, möchten wir nun einen Blick auf die Marken werfen, die unbewusst zu Bekleidungsikonen der rechten Szene geworden sind und schwer von dem Image loskommen.

„Lonsdale“

Eine englische Sportbekleidundungsmarke, die angeblich auf einen englischen Arbeitersportverein und Boxclub zurückgeht, dem in den 1960er Jahren viel Skinheads und Hooligans angehört haben sollen. Doch ist die Popularität unter den Neonazis wohl eher dadurch entstanden, dass der bei dem Aufdruck „LONSDALE“ auf einem Shirt oder Pullover, bei geöffneter Jacke nur der Schriftzug „NSDA“ übrig bleibt in Anspielung auf die verbotene NSDAP. Seit 1999 versucht sich die Firma vom rechten Image und der neonazistischen Szene zu lösen, indem sie die Belieferung von Neonazishops- und Versandhäusern im deutschsprachigem Raum einstellte. Lonsdale engagiert sich bei verschiedenen antirassistischen Projekten, hat eine eigene Kampagne „Lonsdale Loves All Colours“ und unterstützte 2004 den CSD in Köln und mehrere antirassistische Sport- und Fußballlvereine, wie St. Pauli, SV Babelsberg und Roter Stern Leipzig.

„Fred Perry“

Diese Firma wurde vom, aus einfachen Verhältnissen stammenden, Tennisspieler Fred Perry gegründet, der das Tennisturnier Wimbledon gewann. Als Zeichen des Sieges trägt die Modemarke den nach oben geöffneten Lorbeerkranz als Erkennungsmarke auf Ihrer Bekleidung. Die Popularität in der rechten Szene hat die Kleidung nicht nur allein durch dieses Symbol, sondern auch durch den oft schwarz-weiß-roten Kragen an den Polo-Shirts, welche an die Reichsfarben bis 1945 erinnert. Das Perry selbst jüdischen Glaubens war spielt, mangels Unkenntnis, keine Rolle. Die Firma hat, ebenfalls wie Lonsdale, die Belieferung einschlägiger Läden und Versandhandel gestoppt und engagiert sich auch in antirassistischen Projekten. Eine eigene Kampagne hat Fred Perry allerdings nicht gestartet.

„Ben Sherman“

Diese Marke ist bekannt durch seine „Button down“-Hemden und wurde ende der 1960er Jahre eine Ikone der ursprünglich unpolitischen Skinhead-Szene. Ben Sherman gilt daher als „traditionelle Skinheadmarke“ ohne politische oder ideologiosche Hintergründe. Auch Ben Sherman versucht die Belieferung rechter Internetstores zu unterbinden und distanziert sich ebenfalls stark gegen die Vereinnahmung durch Neonazis.

„Alpha Industries“

Diese US-Amerikanische Marke, die seit 1959 Ausstatter der US-Armee ist, erfreut sich in der rechten Szene wegen seines Logos großer Beliebtheit. Das Logo ähnelt dabei dem verbotenen Zivilabzeichen der SA. Beliebt sind dabei besonders die Bomberjacken mit dem Logo. Alpha Industries ist aber auch allgemein sehr beliebt unter Jugendlichen, da Rapper wie Bushido diese Marke auf ihren Konzerten tragen. Anders als die vorgenannten Marken befinden sich Bomberjacken dieser Marke weiterhin im Angebot rechter Versandkataloge.

„New Balance und Helly Hansen“

Nur kurz erwähnt sollen die beiden Marken „New Balance“ und „Helly Hansen“ sein, da beide Marken ausschließlich wegen ihres Logos von der rechten Szene vereinnahmt werden. Bei New Balance ist es das weiße „N“ auf den Schuhen der Marke, welches für White Power und N wie National oder Nationalist ausgelegt wird und bei Helly Hansen ist es schlichtweg das Kürzel „HH“, welches in der Szene für „Heil Hitler“ steht. New Balance versucht sich immer wieder von den Vereinnahmungen zu distanzieren und sagt selbst dass Mitarbeiter „aller Rassen, Geschlechter, Kulturen und sexueller Orientierungen“ in dem Unternehmen tätig sind. Nachdem sich die Outdoor-Marke Helly Hansen auch in Hip-Hop-Kreisen etabliert hat, spielt sie in der rechten Szene kaum noch eine Rolle.

„Troublemaker, Dobermann und Pit Bull“

Diese Marken bringen schon in ihrem Namen eine gewisse Aggressivität mit, welche auch bewusst eine Kundschaft in der Kampfsport- und Hooliganszene ansprechen soll. Alle drei Marken werden somit auch gern in der rechten Szene getragen, doch versuchen auch hier die Firmen, mehr oder weniger, entgegenzuwirken. Troublemaker beispielsweise hält die Rechte an der Chiffre „A.C.A.B“ (All Cops are Bastards), welche auch in der linken Szene sehr beliebt ist. Dennoch ist diese Marke, wie auch Dobermann noch in einschlägigen Versandhandel und rechten Stores zu bestellen. Pit Bull versucht als einzige der drei Marken, nach dem Verbot der Marke an einer Schule, sich von ihrem rechten Image aktiv loszulösen und betont, dass über 50% der Angestellten Ausländer seien und auch der Firmengründer türkischer Abstammung sei.

„Yakuza“

2004 von den zwei Lausitzern Markus Eisold und Florian Schmidt als ein Unternehmen gegründet wurde das Unternehmen nach einem Streit beider Firmengründer in die beiden Unternehmen „Yakuza“ und „Yakuza-Premium“ aufgeteilt. Der Name Yakuza basiert dabei auf dem Namen der japanischen Mafia. Die Marken sehen sich dabei in einem Outlaw-Image, wie Eisold, Inhaber von Yakuza, 2018 in einem Interview der „Sächsischen“ sagt: „Yakuza versteht sich ebenso als Underdog und Provokation für die gesellschaftlichen Werte und Normen“. Wohl auch aus diesem Grund hat die Marke viele Anhänger in der rechten und rechtsextremen Szene. So gehören Yakuza-Bekleidungsstücke auch zum Bild von PEGIDA-Demos und Rechtsrocktreffen wie dem in Ostritz. Die Firma hat sich dabei schon immer als unpolitisch gesehen und so betont Eisold in dem oben genannten Interview auch „Yakuza trägt jeder Prolet, egal, ob aus der rechten Ecke oder ganz normale Leute.“ Und an anderer Stelle „Yakuza unterscheide nicht zwischen schwarz und weiß oder gläubig und ungläubig, sondern ausschließlich zwischen Arschloch und Nicht-Arschloch“. Auch Schmidt, Inhaber von Yakuza-Premium möchte den Rechten keinen Anlass geben, seine Sachen zu kaufen und auf die in der Szene beliebte Frakturschrift verzichten. Bei beiden Marken wird mittlerweile auch darauf geachtet, dass diese nicht in einschlägigen Shops oder Versandhandel angeboten wird.

Nicht immer gelingt die Distanz zur rechten Käuferschaft

Viele Marken, die vereinnahmt werden, können nur wenig dafür, während andere wiederum gern den Underdog ansprechen und sich als Gegenbewegung zur etablierten Mode sehen und genau deswegen der Szene auffallen. Dennoch stellen wir fest, dass sich fast alle Firmen stark von der Vereinnahmung distanzieren.
Dass Rechtsextreme, die auch offen zeigen möchten wie ihre Gesinnung ist, nicht auf die eben genannten Marken zugreifen müssen, lest ihr bald in unser letzten Teil unserer #faktenverliebt-Serie „Die Hardliner – Offen rassistisch und national“

Quellen zu diesem Teil

Belltower News
https://www.belltower.news/marken-der-rechtsextremen-szene-30588/

Lonsdale
https://www.lonsdale.de/about-lonsdale/lonsdale-history/rebirth-wie-lonsdale-die-nazis-los-wurde

Deutschlandfung
https://www.deutschlandfunkkultur.de/fred-perry-und-lonsdale-wie-sich-zwei-modemarken-gegen.2156.de.html?dram:article_id=454891

Mut gegen rechte Gewalt (Stern)
https://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/lexikon/r/rechte-kleidungsmarken

Sächsische.de
https://www.saechsische.de/plus/die-gangster-boys-aus-bautzen-yakuza-5004227.html