Teil 2: Die Lokalmatadoren – Rechte Marken aus der Lausitz

Nachdem wir im ersten Teil unserer #faktenverliebt-Serie die „Einsteigermarken“ vorgestellt haben, werfen wir nun einen Blick auf rechte Marken aus der Lausitz, welche mittlerweile auch bundesweit Beachtung finden:

„Label 23“

Diese Marke entstand 2009 aus dem Label „Boxing Connection“ dessen Rechteinhaber bis 2012 der Cottbuser Kickboxer Markus Walzuck war. Dabei steht die Zahl 23 für die beiden Anfangsbuchstaben des ehemaligen Labelnamens. Walzuck war 2010 und 2011 Deutscher Kickboxmeister und hat enge Kontakte zur rechten Szene, war Mitglied der 2012 verbotenen Neonazi-Guppe „Spreelichter“ und der FC-Energie-Fan-Gruppe „Inferno Cottbus“. Verkauft wird die Marke hauptsächlich online aber auch durch einen Szene- und Outdoorladen in Cottbus.

Label 23 ist mittlerweile in der Region Cottbus ein Erkennungszeichen für rechte Hooligans und Ultras geworden. Mit Aufdrucken wie beispielsweise „Unbreakable Brotherhood“ („Unzerbrechliche Bruderschaft“) und „German Fighters“ (Deutsche Kämpfer) stehen Ehre, Stärke und Herkunft im Fokus und sprechen bewusst eine Szene-Käuferschaft an. Mit Symbolen wie dem „Eisernen Kreuz“ (großformatig auf einem T-Shirt) in Verbindung mit dem Logo des Unternehmens wird auch ein klarer Bezug zum Deutschen Reich vermittelt.

Dennoch versucht sie, ähnlich wie die Marke Thor Steinar, nicht eindeutig rechtsextrem zu wirken. Mit uneindeutigen Aufdrucken, die immer interpretierbar sind und qualitativ hochwertiger Verarbeitung wird so ein breiteres gesellschaftliches Spektrum an Käufern angesprochen.

„Black Legion“

Und noch eine Marke von Cottbuser Neonazis, die seit 2016 existiert. Sie bewirbt sich selbst als Kleidung „von der Szene, für die Szene“. Die Designs nutzen dabei Hitler-Zitate und szeneübliche Slogans wie beispielsweise „Defend Europe“ („Verteidige Europa“) oder „Schützt Europa“. Mit dem T-Shirt-Aufdruck „Schlageter“ wird auch ein nationalistischer Terrorist, der im Ruhrgebiet, während der Ruhrbesetzung mehrere Bombenanschläge ausführte, verehrt (Albert Leo Schlageter).

Das Logo stellt ein brüllender Bär mit dem Schriftzug „BLK LGN“ dar. Zudem existiert ein zweites Logo mit dem Schriftzug „2L“, indem die 2 für den Buchstaben B (2. Buchstabe des Alphabets) und das L für „Legion“ steht.

Mit Schriftzügen wie „drugfree“ („Drogenfrei“) und modernen Stilmitteln, wie dem weglassen von Vokalen (siehe Logo), möchte sich das Label modern wirken und ebenfalls, neben der gewaltbereiten, auch eine gesellschaftlich breiter aufgestellte Käuferschaft, für sich gewinnen.
Der Händler Martin Seidel führt in Cottbus mit „Rebel Records“ auch eine bundesweite Rechtsrock-Produktionsfirma. Black Legion sponsort zudem Sportveranstaltungen der Neonaziszene und präsentiert sich mit Verkaufsständen bei Rechtsrockkonzerten.

Vertrieben wird die Marke vorwiegend Online aber auch im Neonazi-Store „The Devils Right Hand/Rebel Records“ in Cottbus.

„Greifvogel Wear“

2013 wurde diese Marke in Dresden gegründet und hat seit 2016 ihren Sitz in der südbrandenburgischen 750-Seelen-Gemeinde Lindenau. Dort hat auch das Rechtsrock-Label „OPOS Records“ seinen Sitz, dessen Geschäftsführer, Sebastian Raack, auch Inhaber bei „Greifvogel Wear“ ist. Das kleine Örtchen ist Aufgrund des einschlägigen Versandhandels auch schon überregional in der Presse gewesen, denn trotz Warnungen des Verfassungsschutzes vor dem Unternehmer konnte dieser hier ohne viel Widerstand in Lindenau investieren. Raack war Mitglied des mittlerweile verbotenen Netzwerkes „Blood & Honor“ und somit dem Verfassungsschutz bekannt.

„Greifvogel Wear“ ist in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Marken in der Kampfsportszene der Neonazis geworden. Sie bedient sich in Ihren Designs der griechischen Mythologie und paart sie mit Sprüchen wie: „might is right“ („Macht ist Recht“), welches speziell die rechte Kampfsportszene anspricht. Zudem stellt das Label in verschiedenen >Sportarten eigene Teams und tritt dabei bei regulären sportlichen Wettkämpfen an als auch bei Kampfsportevents der rechten Szene, wie dem „Kampf der Nibelungen“.

Die Marke bedient sich neben Slogans auch sehr oft dem Symbol mit einem durchkreuzten mathematischen Gleichheitszeichen. Dieses soll die Ablehnung des Gleichheitsgedankens ausdrücken.

Der Einstieg geht auch regional

Alle drei Bekleidungsmarken bedienen sich der Rezeptur der „Einsteigermarken“ (wir berichteten), um Jugendliche abseits des Kampfsports und der rechten Szene zu begeistern. Es ist der schmale Grat, den immer mehr Marken gehen: Zwischen rechte Stammkundschaft und Neueinsteigern. Bei den drei Regionalmarken kommt zudem noch dazu, dass viele Einheimische stolz drauf sind eine regionale Marke zu unterstützen und dies auch optisch zu zeigen.

Doch nicht immer müssen Rechte zu eigenen Bekleidungsmarken greifen, sondern können die Symbolik „regulärer“ Markenfirmen nutzen, um sich gegenseitig zu erkennen. Lest hierzu demnächst in unseren dritten Teil unserer #faktenverliebt-Serie „ Die Vereinnahmten – Nicht alles ist rechts was getragen wird“.

Quellen zu diesem Teil

Aktionsbündnis Brandenburg
https://www.aktionsbuendnis-brandenburg.de/rechte-modemarken/

Runter von der Matte:
https://runtervondermatte.noblogs.org/black-legion-the-iron-youth-division/

Deutschlandfunk:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/lindenau-in-brandenburg-die-pfarrerin-geht-der-neonazi.1001.de.html?dram:article_id=459510