Teil 1: Die Einsteigermarken in die rechte Szene

Den ersten Teil unserer #faktenverliebt-Serie „‘Mehr als ein braunes Hemd‘- Bekleidungsmarken der rechten Szene“ widmen wir den „Einsteigermarken“ der rechten Szene, der stetig neue Labels hinzukommen. Aber hier erstmal die uns bekannten:

„Thor Steinar“

Thor Steinar (Thor = altnordischer Donnergott) ist die wohl bekannteste Marke der rechten Szene. Wer hat nicht schon einmal den „Steinar“-Schriftzug oder die Abkürzung „STNR“ auf einer Jacke oder T-Shirt gesehen. Doch so harmlos sind eben die meisten Aufdrucke dieser Marke nicht.
Thor Steinar existiert seit 2002 und kommt von der brandenburgischen Firma „Mediatex“ in Königs Wusterhausen/Mittenwalde. Vertrieben wird sie hauptsächlich online und über eigene Stores, die schon öfter im Fokus der Öffentlichkeit standen und meist Ziel von Sachbeschädigungen sind.
Typisch für die Marke sind das Logo mit der „Wolfsangel“ und der Gebo-Rune (Bedeutung: Gabe, Großzügigkeit). Die Verarbeitung der Kleidung ist modisch und hochwertig und eben auch oft unauffällig, weswegen sie auch eine gewisse Beliebtheit außerhalb der rechten Szene hat..
Neben den „normalen“ „Steinar“-Aufdrucken bedienen sich die Marke oft völkischer bzw. nordischer Symbolik („Valhalla Riders“ oder „Thor“ oder „NORD 1999“ ), vorchristlicher Runen (Steinar Schriftzug in Runen oder Abwandlungen einer Triskele), Bezüge zur Kolonialzeit („Ostafrika Kreuzfahrt“) und seit Neustem auch griechische Mythologie (Abkürzung STNR in griechischen Buchstaben) sowie Corona-Themen (Masken und Shirts mit „Maulkorb Demokratie“ oder „Alles Lüge“). Die Slogans können aber auch direkter ausfallen wie „Heute tolerant. Morgen fremd im eigenen Land“, der kaum interpretierbar ist. Bis 2008 wurde oft auch norwegischen Flagge verwendet, die seit

einer Klage der norwegischen Regierung im selben Jahr nicht mehr verwendet werden darf. Laut Verfassungsschutz Brandenburg, bedienen sich die die Kleidungsstücke dieser Marke dabei „als völkisch verstandene Symbolik“, weshalb das Tragen dieser Marke im Bundestag und den Landtagen von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen nicht gestattet ist.

„Erik and Sons“

Diese Marke sieht optisch der Bekleidung von Thor Steinar zum Verwechseln ähnlich. Sie ist auch aus Königs Wusterhausen und Geschäftsführer ist Udo Sigmund, der ebenfalls bei der Marke Thor Steinar beschäftigt war.
Das Logo enthält eine Naudiz-Rune (Bedeutung: Not) und das Design der Kleidung hat sich, wie auch bei Thor Steinar, der Uneindeutigkeit seiner rassistischen Botschaften verschrieben. Slogans wie „My favorite color is white“ auf einem farbigen T-Shirt oder „Überflieger“ auf einem braunen T-Shirt mit Silhouetten eines Weltkriegsflugzeuges sind zwar eindeutig genug aber trotzdem legal und interpretierbar. Ansonsten glänzt die Bekleidung mit Wikingerromantik unter dem Motto: „Viking Attack“ (Wikinger-Angriff) und hochwertiger Verarbeitung, was wiederum ein breites gesellschaftliches Käuferpotenzial erschließen soll. Der Vertrieb geschieht hauptsächlich online und über Thor Steinar-Läden.

Zwei Labels – Ein Ziel

Wie Petra Müller von der Initiative für politische Aufklärung Hunsrück im taz-Interview am 26.03.2008 sagte: „Wir betrachten Kleidungslabel wie Thor Steinar oder Erik and Sons als Einstiegsdroge für Jugendliche in die rechtsextreme Szene“. Dem ist an sich nicht viel hinzuzufügen. Doch wird der Markt immer größer und wir haben seit geraumer Zeit auch viele regionale Marken die ebenfalls die Rezeptur von „Thor Steinar“ und „Erik and Sons“ kopieren, um niederschwellig Jugendliche in die rechte Szene zu bekommen. Aber dazu später mehr in unserem zweiten Teil unserer #faktenverliebt-Serie „Die Lokalmatadoren – Rechte Marken aus der Lausitz“

Quellen zu diesem Teil

Aktionsbündnis Brandenburg
https://www.aktionsbuendnis-brandenburg.de/rechte-modemarken/

Konrad Adenauer Stiftung
https://www.kas.de/de/web/rechtsextremismus/rechtsextreme-dresscodes

Belltower News
https://www.belltower.news/marken-der-rechtsextremen-szene-30588/

Zeit
https://www.zeit.de/2018/49/nazi-mode-rechtsextremismus-christoph-schulze-interview?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

DER SPIEGEL
https://www.spiegel.de/panorama/thor-steinar-consdaple-troublemaker-was-sich-hinter-den-nazi-marken-verbirgt-a-00000000-0003-0001-0000-000001992544

Welt
https://www.welt.de/welt_print/article1845141/Thor-Steinar-Chef-vor-Gericht-Verstoss-gegen-das-Markenrecht.html